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Sichtbarer Ausdruck des Totengedenkens ist das Grab mit der Grabbepflanzung und dem Gräberschmuck und dem Grabmal. Es hat in der abendländischen Bestattungsgeschichte eine lange Tradition, war nicht selten ein teures Privileg der sozialen Oberschicht, ist aber seit fast zweihundert Jahren allgemein üblich und prägt im Zusammenspiel aller Einzelgräber das Erscheinungsbild unserer Friedhöfe. Grabstätten und Grabmale sind besondere Zeichen der Erinnerung. Wie in kaum einem anderen Lebensbereich gestaltet der, der ein Grabmal setzt, ein Stück seiner eigenen Wirklichkeit, sagt etwas aus über sich und den Toten, seine Beziehung zu ihm, und er gibt etwas von seiner persönlichen Einstellung zu Leben und Tod preis. Im Grabmal gestaltet er Erinnerung, Gegenwart und Zukunft, denn das Grabmal hat viele Jahre oder sogar Jahrzehnte Bestand.                                                                                               

Da das Grabmal eine Grenze zwischen Leben und Tod markiert, kann es in besonderer Weise auch Symbol sein für unsere eigene Einstellung zu Leben und Tod, für die Haltung des Verstorbenen, für die Beziehung zwischen Lebenden und Toten. Alle Funktionen zusammengefaßt kann das Grabmal als Botschaft, modern ausgedrückt, als Träger von Kommunikation verstanden werden.

(aus: "Friedhof und Denkmal", 11/99, Hrsg. Arbeitsgemeinschft Friedhof und Denkmal e. V., Kassel)     

 

Stein, Holz, und Metall sind die häufigsten Materialien, die bei den Gestaltern von Grabzeichen zum Einsatz kommen.
Im Gegensatz zu Steinen aus Billiglohnländern der Fall ist, verwenden die Gestalter auf dem Leitfriedhof bei jedem Grabzeichen individuelle Materialien, die mit dem Verstorbenen in Verbindung gebracht werden.

 

Das Material

 

Das Erscheinungsbild unserer Friedhöfe ist von Grabzeichen aus Naturstein geprägt. In gleicher Weise eignen sich jedoch auch Holz und Metall. Letztere Materialien waren allem im vorigen Jahrhundert weit verbreitet; in größerer Zahl finden sie sich noch dort, wo landschaftliche Traditionen vorherrschen. Schmiedeeiserne Grabkreuze sind für manche alpenländische Friedhöfe typisch, und zu Beginn unseres Jahrhunderts versuchte man aus gestalterischen Gründen, die traditionellen Materialien auf den Friedhöfen zu mischen, so beispielsweise auf dem 1907 eröffneten Waldfriedhof in München. Kunststein, Zink, Schwarzglas etc. verwendete man als "unechte" Werkstoffe in ausgesprochenen Notzeiten.

Im Vergleich von Stein, Holz und Metall wird deutlich, daß unterschiedliche Materialien unterschiedliche Qualitäten besitzen und daher andere Gestaltungsmöglichkeiten in sich tragen. Das Grabmal aus Stein verkörpert eine gewisse Schwere, Erdgebunde Monumentalität und Dauerhaftigkeit; es verleiht dem Grab - trotz immer weiter verkürzten Ruhefristen - einen Hauch von Ewigkeit. Demgegenüber kündet der Werkstoff von Wachstum, aber auch von Vergehen. In einem positiven Sinn wirkt es "provisorisch", deutet in symbolischer Weise darauf hin, daß das Grab nicht die letzte Station, sondern ein Zwischenstadium darstellt. Das geformte Metall - sei es gegossen, geschmiedet oder getrieben - erzeugt Spannung, Linearität und wirkt mitunter filigran, zärtlich, transparent oder scherenschnittartig.

Für Grabmale aus Holz sind Eichenholz und andere harte, gegen Wetter unempfindliche Hölzer geeignet. Unbehandelte Holzmale haben mit ihrer natürlichen Vergrauung einen besonderen Reiz, sie altern. Angesichts der kurzen Ruhefristen scheint die Imprägnierung nicht unbedingt notwendig. Als Schutz genügt meist an der Hirnfläche bzw. dem Querschnitt des Holzes eine Blei- oder Kupferabdeckung. Im Zeitalter der Industrialisierung haben Holzgrabmale einen besonderen Stellenwert, da sie von Hand bearbeitet werden. Traditionelle Formen des Holzrabmales sind das Totenbrett - eine flache, schlanke Stele -, und das Kreuz, neuerdings finden sich jedoch auch massive Stücke und Plastiken. Der Formenvielfalt sind kaum Grenzen gesteckt.

Auch die Gestaltungsmöglichkeiten des geschmiedeten Metallgrabzeichens reichen heute weit über die bekannte Kreuzform hinaus. Das vorherrschende Grabmal aus Naturstein ist seinerseits außerordentlich vielgestaltig. Es kann aus Weich- oder Hartgestein bestehen, und nahezu alle weltweit gehandelten Gesteinssorten sind heute lieferbar und einsatzfähig. Sein Erscheinungsbild hängt von der Gesteinsart (Farbigkeit und Struktur) und von der Art und Weise der Bearbeitung ab, aber auch von der Form. Die flache, meist nur 14 oder 16 cm dicke Stein-"Scheibe", die mit nur einer Ansichtsfläche (Vorderseite) versehen ist, ist zwar weit verbreitet, nutzt aber die Möglichkeiten der Gestaltung bei weitem nicht aus. Der Stein gewinnt als Block, als Plastik oder mit einem Relief (auch allseitig umlaufend) versehen an künstlerischer Qualität. Die Spannweite der Bearbeitung reicht von der Politur bis zur unbearbeiteten Oberfläche. Attraktive Spannungen entstehen durch einen Wechsel von Bearbeitungsspuren auf dem Grabmal.


Der sog. Findling, Spaltfelsen und andere Steine

In Norddeutschland traditionell verbreitet, in anderen Gegenden zunehmend beliebt, sind Findlinge als Grabmale. Sie gelten für viele als Inbegriff der Naturnähe und scheinen deshalb für Grabstätten besonders geeignet, doch von Friedhofssatzungen werden sie auf Feldern mit zusätzlichen Gestaltungsvorschriften häufig nicht zugelassen. Dieser Widerspruch bedarf einer Erklärung. Ein Findling ist ein größerer Felsen, der sich aus einem Gesteinsverband gelöst hat. Eis, Wasser und Witterung glätteten seine Oberfläche und schliffen seine Kanten rund. Durch diesen Entstehungsprozeß kommt es bei der Form des Findlings zu Zufälligkeiten, die in der gestalteten Umgebung des Friedhofes dann als störend empfunden werden können. In die Reihen rechtwinkliger Grabstätten passen sich solche Steine schwer ein und können deshalb als Fremdkörper wirken. Zudem vertreten viele Friedhofsexperten den Standpunkt, daß das personhafte Zeugnis eines Grabmales nur durch handwerkliche Bearbeitung geschaffen werden kann.

Auch Spaltfelsen mit ihrer rauhen, unbearbeiteten Oberfläche werden (fälschlicherweise) häufig als Findlinge bezeichnet; auch sie gelten als besonders naturnah. Bei ihnen handelt es sich jedoch um spaltbare Natursteine, deren Gefüge es erlaubt, ohne großen technischen Aufwand beliebig starke Platten von einem Steinblock abzuspalten. Sie sind also im strengen Sinne künstlich erzeugte Naturprodukte. Für eine handwerkliche Bearbeitung sind sie denkbar ungeeignet. Sie werden deshalb in der Regel als "bruchwilde" Platten angeboten.

Durch handwerkliche und maschinelle Bearbeitung ist es darüber hinaus möglich, Grabsteine zu fertigen, die findlingsähnlich oder naturnah aussehen.


Andere Werkstoffe

In Notzeiten wurden auch Grabmale aus "Ersatzmaterialien" wie Kunststein, Mosaikzement oder sogar Blech gefertigt. Sie sind heute nicht mehr im Angebot und wären auch dem Charakter des Friedhofes nicht angemessen. Andererseits wird tatsächlich auch immer wieder mit neuen Materialien experimentiert, z. B. Beton, Polyesterharz oder Stahlblech.
Tatsächlich kann ein Künstler durchaus mit gattungsmäßig fremden Materialien Grabmale schaffen, bedenklich sind aber Angebote, die als Billigprodukte auf den Markt kommen. Bei manchen Materialien liegen auch ökologische Bedenken vor (z. B. Polyesterharz).

Keramik (Ton) wäre dagegen ein denkbares und gestaltungsfähiges Material und ist regional auch verwendet worden, doch werden daraus gestaltete Grabmale heute fast nicht angeboten.


Kombination verschiedener Materialien

Plexiglas, Stahl, Bronze, Glas etc. werden heute in verstärktem Maße mit traditionellen Materialien (Holz, Stein) kombiniert (in vielen Friedhofssatzungen jedoch nach wie vor nicht zulässig). Solche Materialkombinationen sind zeitgemäß, steigern die Wertigkeit und Ausdruckskraft des Grabmales und können einen schmückenden Eindruck erwecken. Grabmale aus verschiedenen Materialien werden jedoch nur von hochqualifizierten Bildhauern und Künstlern formal bewältigt und sollten nur bei solchen in Auftrag gegeben werden.

(aus: "Friedhof und Denkmal", 11/99, Hrsg. Arbeitsgemeinschft Friedhof und Denkmal e. V., Kassel)